Wenn Engagement das System stabilisiert – und dich zerstört

Manche Systeme funktionieren nur noch, weil einzelne Menschen ihre eigene Stabilität opfern. Genau das wird oft mit Engagement verwechselt.

Mensch hält ein instabiles System unter hoher Belastung zusammen Symbolbild

Wenn Engagement das System stabilisiert – und dich zerstört

Gegenanalyse zum SPIEGEL-Artikel „Hilfe, ich renne allem hinterher und kann nicht mehr“ (Lena Wittneben, 23.03.2026)

Der Ausgangspunkt: richtig erkannt – aber nicht zu Ende gedacht

Der Artikel beschreibt die Situation treffend:

„…ein System, das Sie mit aller Kraft zusammenhalten…“

Das ist der entscheidende Satz.

Hier geht es nicht um Überforderung im klassischen Sinne. Hier geht es um eine Person, die die Funktionsfähigkeit eines überlasteten Systems aufrechterhält.

Der Bruch: Vom System zurück zur Person

Der Artikel kippt anschließend in individuelle Lösungsansätze:

„Was müsste passieren, damit ich mich richtig gut fühle?“
„Was würde die beste Version von mir jetzt tun?“

Diese Fragen setzen voraus, dass die Lösung in der Person liegt – obwohl das Problem strukturell ist.

Der blinde Fleck: Die unsichtbare Funktion

Sie ist nicht nur betroffen – sie stabilisiert das System.

  • kompensiert Ausfälle
  • verhindert Brüche
  • hält Abläufe künstlich stabil

Je besser sie funktioniert, desto länger bleibt das System dysfunktional.

Die eigentliche Intervention

1. Sichtbarkeit statt Kompensation

Dokumentation von Lücken und Risiken – statt sie unsichtbar zu machen.

2. Begrenzung statt Dauer-Einsatz

Nicht mehr alles auffangen. Last zurück ins System geben.

3. Verantwortung zurückgeben

Klare Trennung: Was ist meine Aufgabe – und was nicht mehr?

Fazit

Das Problem ist nicht die Person.

Das Problem ist eine Struktur,
die nur funktioniert, wenn sich jemand aufbraucht.


Analyse aus dem Institut für funktionale innere Strukturen

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